Freitag, 6. Juni 2014

Schulmusik - 6.6.2014

Amelie lernt zur Zeit Flöte und Geige. Flöte, da hier alle in der dritten Klasse (die Schule fängt ein Jahr früher an) im Musikunterricht Flöte lernen, und Geige, weil sie sich das gewünscht hat. Was ich sehr nett finde: Um den Ehrgeiz anzustacheln, konnte man beim Flöte lernen "Karate-Bändchen" erwerben. Wenn man das erste Stück konnte - mit drei unterschiedlichen Noten -, gab's ein weißes Bändchen für die Flöte, beim zweiten Stück an orangenes und so weiter bis zu "Greensleeves" mit einem schwarzen Bändchen.

Und tatsächlich ließen sich wohl vor allem die Jungs davon herausfordern und einige haben in Windeseile das schwarze Bändchen erreicht. Beim obligatorischen Konzert (am 10. April) wurden dann aber doch eher die einfachen Stücke vorgespielt. Aber immerhin: großer Auftritt, große Aufregung, großer Stolz hinterher.

Auf der Bühne bevor es losgeht
Die ganze Klasse - das Zusammenspiel war nicht einfach...

Ende Mai gab es noch ein Konzert für die Solisten, also alle, die aus eigenem Wunsch ein Instrument lernen. Derzeit kann man an der Schule Geige, Gitarre, Trompete, Saxofon und Klarinette lernen - ziemlich beachtlich, finde ich. Und sie versuchen, das in den nächsten Jahren noch weiter auszubauen und ein Orchester einzurichten (das gibt es erstaunlicherweise noch nicht).
Amelie ist bei dem Konzert natürlich auch aufgetreten und hat hochkonzentriert eine Version von "Old MacDonald had a farm" vorgespielt. Wir Eltern waren natürlich stolz wie nix! Das Video ruckelt sehr, weil es eine stark komprimierte Version des professionellen Full HD-3D-XDDBY42351-THX-Stereo-Videos ist, das wir gedreht haben... :-)

Nachtrag (7. Juni): Ich habe es geschafft, das Originalvideo zu komprimieren, so dass man jetzt Amelie ohne Ruckeln bewundern kann!




Bei dem Konzert sind außerdem noch verschiedene Tanzgruppen aufgetreten und alle Geigenschüler zusammen haben ein Stück aus einer Bachkantate (Bauernkantate?) gespielt. Dabei ist allerdings Amelies Ehrgeiz etwas gebremst gewesen, denn sie hatte schnell festgestellt, dass sie ihren Teil bereits besser konnte als alle anderen, die die gleiche Stimme gespielt haben. Daraufhin hatte sie beschlossen, dass sie nun nicht mehr üben muß. Nun ja.





Donnerstag, 5. Juni 2014

Verschnupfte Ostern - 5.6.2014

Für die Osterferien (das war die Woche vor Ostern) hatten wir uns nichts besonderes vorgenommen und das war dann auch ganz gut so, da einer nach dem anderen krank wurde. Erst war Valerie furchtbar erkältet, dann kam Amelie, dann Chris und ich war auch etwas verschnupft. Daher haben wir in der ganzen Ferienwoche quasi nichts Spezielles gemacht (denn es wurden ja alle hintereinander krank, nicht etwa gleichzeitig...). Chris hatte auch gar nicht frei.

Aber wir hatten trotz allem einen schönen Ostersonntag. Zunächst mal ist mir der jährliche Osterzopf fürs Osterfrühstück dieses Jahr besonders gut gelungen:


Dann war unser Magnolienbaum überaus prächtig (und, wie mir alle hier versichert haben, war der Frühling hier dieses Jahr sehr früh dran):


Am Morgen hatten Chris und Frederik allerdings noch eine kleine Irrfahrt hinter sich gebracht. Frederik hatte ein Fußballspiel. Die Kommunikation läuft - obwohl wir schon mehrmals darum gebeten habe, es zu ändern - über Chris' E-Mail-Account. Da Chris nicht so häufig da reinguckt, haben wir auch schon mal ein Spiel verpasst. Inzwischen sind wir besser geworden, so dass wir also wussten, dass am Ostersonntag um 9 Uhr ein Spiel sein würde, Treffpunkt wie immer halb neun. Ein Spiel dauert 40 min, so dass wir spätestens um 10 Uhr hätten frühstücken können - machbar. 
Chris und Frederik sind also rechtzeitig los, der Fußballplatz ist drei Minuten zu Fuß von hier. Dort war aber keiner. Ich also nochmal in die E-Mail geguckt und ein paar Wörter nachgeschlagen. 
"Lämna besked till torsdag" heißt Bescheid sagen bis Donnerstag - hatten wir natürlich nicht gemacht. Und dann stand da noch "IF Vellinge" groß und breit. Meine Schlussfolgerung: Das Spiel ist wohl in Vellinge - ca. 15 min von Malmö weg.
Also sind Chris und Frederik ins Auto gehüpft und losgefahren. Natürlich gab es in Vellinge zwei Sportplätze. Ich also die beiden per Handy und Computer erst zum einen, dann zum anderen hingelotst - inzwischen war es schon kurz vor neun. Aber auf beiden Plätzen keine Menschenseele, obwohl das Spiel auf der Homepage des IF Vellinge angekündigt war.
So sind sie eben wieder nach Hause gefahren und ich habe noch mal in der E-Mail nachgelesen. Da stand nicht nur IF Vellinge, sondern auch "på hemmaplan", was also "Heimspiel" bedeutet. Tja, wenn man die Sprache richtig könnte... 
Wir haben dann rekonstruiert, dass sich wohl weder in Vellinge noch in Malmö genügend Spieler für den Ostersonntag bereit gefunden hatten, so dass das Spiel abgesagt wurde. Da wir aber Frederiks Teilnahme niemandem mitgeteilt hatten (da wir ja nicht wussten, was "lämna besked" heißt und daher drüber hinweggelesen hatten - aber so lernt man eben, jetzt weiß ich es!), hat uns auch keiner die Absage mitgeteilt. Das Spiel wurde dann am Dienstag der folgenden Woche nachgeholt (bei strömenden Regen ab der zweiten Halbzeit, Frederiks Mannschaft hat 5:2 gewonnen - nur nebenbei). 

Aber danach konnten wir in Ruhe frühstücken und der Osterhase kam natürlich auch vorbei. Allerdings hat er, wie sich die Kinder beschwert haben, seine Nester nicht besonders gut versteckt. Zu leicht. Der Osterhase hatte gedacht, da der Garten so groß ist, macht er es nicht so schwer. Falsch gedacht. Na, nächstes Jahr! 


Hier in Schweden kommen übrigens die Osterhexen. Kinder, die sich verkleiden und von Haus zu Haus gehen, um Süßigkeiten zu bekommen. Zu uns sind aber keine gekommen.
Der Osterhase hatte aber nicht nur kleine Nester versteckt, sondern auch richtig schwer zu schleppen. Im hinteren Garten gab es noch eine große Überraschung.


Der Reste des Sonntages war dann mit Aufbauen ausgefüllt.


Und dann natürlich mit Ausprobieren:





Dienstag, 20. Mai 2014

Hohe Kultur in Kopenhagen - 20.05.2013

Ich dachte, wir als Familie müssten auch mal die kulturellen Angebote von Kopenhagen nutzen. Außerdem haben alle so von der neuen Oper dort geschwärmt, so dass ich mich nach Veranstaltungen für Kinder dort umgesehen habe. Ich habe aber leider nichts gefunden (oder es übersehen), so dass ich bei der Veranstaltungsreihe "Musik2go" der Oper gelandet bin. Dort wird etwa einmal monatlich ein Abend nur von einer Instrumentengruppe gestaltet, also nur Streicher, nur Blechbläser oder - in unserem Fall - nur Schlagzeug (Orchesterschlagzeug, wohlgemerkt, dazu gehören auch Xylophon, Glockenspiel, Marimba neben Trommeln, Pauken, Becken und sonstigem). Das ganze nur 1,5 Stunden und vorher kann man die Instrumente im Foyer ausprobieren. Ich dachte, das könnte auch etwas für die Kinder sein, nicht zu lang, mit etwas zum anfassen. Also, Karten gebucht.

An jenem Samstag (12. April) sind wir also nach Kopenhagen aufgebrochen. Im Internet stand etwas, dass man auch mit dem Boot zur Oper fahren könnte (diese liegt nämlich auf einer Insel), aber das war uns dann zu unsicher, wann und wo die Boote abfahren. Das Navigationsgerät hat auch nicht gemeckert, als wir die Adresse eingeben haben. Man kommt problemlos mit dem Auto zur Oper hin, man fährt nur quasi durch die Hinterhöfe der Stadt, also an einem Kraftwerk vorbei, durch ein Gewerbegebiet und an Schrebergärten entlang. Etwas seltsam, wenn man sich für die Oper aufgebrezelt hat. Der Weg mit dem Boot wäre wahrscheinlich der schickere gewesen.


Die Oper ist im Jahr 2004 fertiggestellt worden und von Hennig Larsen entworfen (und bezahlt von Mærsk McKinney Møller und der «A.P. Møller und Chastine McKinney Møller Stiftung» laut Wikipedia. Maersk ist eine große dänische Reederei). Die Architektur ist ganz schick, aber der hintere Teil sieht eher aus wie ein Bürogebäude, finde ich (rechts im Bild). 
Jedenfalls haben wir dann im Foyer die Instrumente ausprobiert (eine große Trommel, eine kleine Trommel, eine japanische Trommel und eine Marimba) und zwei (gelbe) Boote mit Besuchern am operneigenen Schiffsanleger ankommen sehen. Sehr sympathisch finde ich, dass es in der Oper (und auch im Theater) immer zwei Garderoben gibt: Eine zum Abgeben mit bezahlen (was schwierig war für uns, da wir keine dänischen Kronen hatten) und eine "Vertrauensgarderobe", wo man seine Jacke selbst an den Haken hängt. D.h., die Pelzmantelbesitzer zahlen, den Fallschirmseide-Blouson kann man auch so aufhängen. 
Das Konzert war dann, nun ja, anspruchsvoll. U.a. ein Stück von Steve Reich. Ich fand es insgesamt faszinierend und toll, welche Geräusche und Rhythmen, aber auch Melodien man mit all diesen Schlaginstrumenten hervorbringen kann. Die komplette Bühne war vollgestellt und die 7 Musiker haben sich dann je nach Stück an anderen Instrumenten hervorgetan. Der Innenraum der Oper ist auch ziemlich schick mit neuster LED-Technik:




Während des Konzerts ist Valerie eingeschlafen, Frederik meinte danach, es sei zu "75% gut" gewesen und Amelie fand es blöd. Chris Kommentar war, dass man Mathematikanfängern ja auch nicht als erstes den Logarithmus präsentiert. Ich fand's klasse. 

Montag, 19. Mai 2014

Geburtstagswahnsinn 1 - 19.05.2014

Ich habe mich sehr lange nicht mehr gemeldet, ich weiß. Ich habe aber auch gleiche mehrere gute Gründe, über die ich jetzt Stück für Stück berichten werde. Dafür habe ich jetzt auch wieder viel Zeit, denn mein Schwedisch-Kurs ist nun vorbei! Hurra!

Nach meinem letzten Bericht über die schwedische Fischtorte stand knapp eine Woche später Frederiks 10. Geburtstag an. Da wir hier nix kennen, war klar, dass wir zu Hause feiern. Aber wie macht man so einen zu-Hause-Geburtstag für 9- bis 10jährige attraktiv? Aufs Wetter kann man sich hier ja auch nicht verlassen und 2 h nur Fußballspielen ist wahrscheinlich auch nicht das Wahre.

Ich hatte dann überlegt, eine Schatzsuche für Fortgeschrittene mithilfe des GPS zu gestalten. Das brauchte aber einige Vorbereitung. 8 Jungs sollten kommen, also habe ich 8 Zettel vorbereitet und bin einen Tag vorher losgelaufen. Mit dem GPS habe ich dann Längen- und Breitengrade von z.B. einem Baum aufgeschrieben, in dessen Ästen ich dann später einen Zettel verstecken wollte. Auf diesem Zettel sollten dann die Hinweise auf den nächsten Zettel stehen usw., bis zu Schluss dann der Schatz gefunden wird.

Nach dem dritten Mal Koordinaten suchen ist es aber auch immer das Gleiche, so dass ich mich an meine Segelausbildung noch vor der Verbreitung des GPS erinnert habe. Man kann einen Ort auch durch Peilen von zwei anderen, feststehenden Orten bestimmen. Im benachbarten Park habe ich also einen etwas weiter entfernten hohen Baum gesucht sowie eine Laterne. Die Aufgabe war: Von einem bestimmten Punkt aus so lange nach Norden (0 Grad) zu laufen, bis man linker Hand eine Laterne passiert (da waren mehrere Laternen, aber wenn man genau nach Norden läuft, konnte es nur eine einzige sein. Ein GPS-Gerät hat auch einen Kompass). Dann die Laterne anschauen und im Hintergrund einen hohen Baum suchen (da war nur einer). Laterne und Baum in Überdeckung bringen und in Überdeckung halten, während man rückwärts läuft - das ist dann eine gerade Linie. Und irgendwann stieß man dann auf dieser Linie wieder auf einen Baum (von vielen), an dem dann der nächste Zettel hing.

Ich war ziemlich stolz auf mein ausgetüfteltes Spiel. Am Geburtstag war es dann allerdings so, dass die Jungs das mit den Koordinaten-Lesen schnell verstanden hatten, aber wohl fanden, dass der Zettel mit den Angaben zur Peilung irgendwie zu viele Buchstaben enthielt oder so. Jedenfalls sind sie Richtung Norden gerannt und haben nicht weitergelesen, dadurch die Laterne verpasst, irgendwas von "Baum" gehört und zu einem Baum gerannt (in völlig anderer Richtung) und dann nur noch herumgeirrt, um den Zettel zu finden. Nur die zwei älteren Jungs, die dabei waren, haben sich nach einer Weile für unsere Erklärungen interessiert und den Zettel noch mal studiert und konnten dann auch die nächste Spur finden. Dann fing es auch noch an zu regnen und das geplante Fußballspiel im Park ist damit auch ausgefallen. Der Schatz wurde aber gefunden (trotz einer weiteren, ähnlichen Peilungsaufgabe) und konnte ins Trockene gerettet werden. Und hinterher meinte Frederik - der vorher die Idee einer Schatzsuche vehement als zu babyhaft abgelehnt hatte -, dass diese Schatzsuche doch ganz cool gewesen wäre.

Für diesen Geburtstag habe ich auch mal eine schwedische Muffins-Backmischung ausprobiert. Brrr. Furchtbar süß, furchtbar künstlich - aber die Jungs fanden sie toll.

Beim Geschenke auspacken

Beim Abholen hatte ich überlegt, dass wir ja die anderen Eltern überhaupt nicht kennen und vielleicht wäre dies ja nun die richtige Gelegenheit. Ich habe also Sekt und Orangensaft bereitgestellt für die abholenden Eltern. Nun ja. Zunächst kam eine japanische Familie, wobei die Mutter zur Haustür kam und im Auto noch Ehemann und Schwester saßen und warteten. Ich bin dann raus, um sie auch hereinzubitten, aber sie sind trotzdem nach ca. 1,5 Minuten wieder gegangen, ohne etwas zu trinken. Bei den nächsten ähnlich erfolgreich. Dann kam ein Vater, den ich nach Habitus, Aussehen und allem anderen für mich als "japanisch" klassifiziert hatte. Er wollte auch nichts zu trinken, kam aber wenigstens kurz herein. Als ich dann konversationshalber gefragt habe, wo er her käme, war die überraschende Antwort "Frankreich". Wir haben uns dann sehr nett teilweise auf französisch unterhalten (geht nur noch begrenzt, ich vermische jetzt Schwedisch mit Französisch und das geht nicht gut aus für mein Französisch) und ich habe gelernt, NIE MEHR nur nach dem äußeren Anschein zu gehen. Das hatte sich auch im folgenden als richtig erwiesen: Denn dann kam ein offenbar pakistanischer Vater, mit dem wir uns auch etwas unterhalten konnten. Die Familie hatte erst in Kopenhagen, dann in Stockholm und nun in Malmö gelebt, war nun seit über zehn Jahren in Schweden und auf jeden Fall schwedischer als wir.

Also hatten wir zwar keine lange Elternrunde mehr, aber wenigstens ein paar nette Gespräche und ich habe was dazugelernt. Frederik war auch zufrieden und glücklich - was will man mehr?

Freitag, 28. März 2014

Fischkuchen? - Smörgåstårta! - 28.03.2014

Ich bin hier in einer netten Runde von deutschen Mamas, die sich gelegentlich zum Kaffeetrinken oder Frühstücken treffen. Manche sind schon lange da, manche wohnen "richtig" hier, und manche sind sogar neuer als ich (ha!). Und da man auf diesen Frühstücken neben netter Unterhaltung auch alle Alterfahrenen nach Tips und Tricks fragen kann, gehe ich sehr gerne hin.

Dabei habe ich das letzte Mal eine sehr spezielle, schwedische Spezialität kennengelernt: Smörgåstårta:

Hier, wie man sieht, mit Krabben und Fischeiern und mehr Fisch in der Mitte. Gibt es aber auch mit Fleisch.

Smörgås ist im weitesten Sinne belegtes Brot. In diesem Fall sind es aber sind mehrere Lagen Weißbrot ohne Rand und dazwischen Mayonnaise, Meerrettich oder andere Saucen und dann - ganz nach Wunsch - entweder Fisch oder Fleisch, das alles in verschiedenen Größen, je nach Anzahl der Gäste.
Auf dem Foto sieht man die Fischversion (so eine hatten wir auch auf dem Frühstück), d.h. obendrauf Krabben und Fischeier, dazwischen (meist) Lachs. In der Fleischvariante ist es dann z.B. Roastbeef, Schinken und Leberpastete.

So eine Tårta ist tatsächlich ganz lecker und für eine Party oder Gäste im Haus ziemlich praktisch. Vor allem, da man es hier überall bestellen kann. Es gibt sogar eigene Läden (Smörgåsbutiken genannt) dafür, man kriegt sie aber auch im Supermarkt an der Theke. Sie ist auch ziemlich mächtig, so dass man eigentlich nach einem mittelgroßen Stück ziemlich satt ist. Und natürlich sieht es schick aus, so lange die Tårta ganz ist auf dem Buffet. Ist sie allerdings erstmal angeschnitten, ist es etwas weniger schön...  :-)
Es erinnert mich ein bisschen an diese 50er- und 60er-Jahre-Partyessen mit Käseigel und russischen Eiern und so...
Aber wie gesagt: Nicht schlecht!

Auf dem letzten Frühstück hatte ich auch einen Geheimtipp bekommen, wo man hier am besten Kinderschuhe kaufen kann. In Malmö selbst sieht es damit nämlich etwas schlecht aus (warum auch immer). Aber mir wurde berichtet, dass man raus aufs Land fahren kann und auf einem Bauernhof namens Magleholm in einer Scheune (sic!) wunderbarste Schuhe und Kinderklamotten bekommen könnte. Hörte sich seltsam an, aber für solche Abenteuer sind wir ja schließlich ins Ausland gezogen.
Also sind wir letztes Wochenende losgefahren, etwa 20 km südöstlich von Malmö. Die Straßen wurden immer kleiner und irgendwann waren sie nicht mehr asphaltiert - aber wir haben ja zum Glück einen Geländewagen, wie ca. 80 % der Schweden. Als wir tatsächlich über den Feldweg gefahren sind, habe ich etwas an unserem Navi und meiner Adresse gezweifelt, aber dann kam tatsächlich ein Bauernhof mit schöner Alleeauffahrt und einer Scheune mit einem "öppnet"-Schild daran:

Das sind nicht wir auf dem Foto!

Und drinnen dann tatsächlich ein Klamottenparadies - nicht nur für Kinder, sondern auch für die Eltern - ich habe mir auch einen Rock gekauft und beinahe ein paar Schuhe. Das ganze geführt von einer sehr netten Dame, deren Kinder auch auf unsere Schule gehen, so dass wir gleich ein paar extra-Prozente bekommen haben. Wir sind mit drei Paar Kinderschuhen, zwei Hosen, mehreren T-Shirts und eben einem Rock für mich wieder nach Hause gekommen. Unglaublich, aber wahr!

Nachtrag: Auf schwedischen Webseiten sind neben der Adresse häufig auch die GPS-Koordinaten angegeben. Falls das Navigationsgerät also den einsamen Bauernhof im Nirgendwo am Nordpolarkreis nicht kennt, kann man immer noch die Koordinaten eingeben. Magleholm findet man z.B. hier:

RT90: X: 6157585, Y:1331110
WGS84: Lat N 55° 31′ 6″   Lon E 13° 7′ 52″
Decimal: 55.5186, 13.1312

Donnerstag, 20. März 2014

Kurz und französisch - 20.03.2014

Die Schweden sind ja der angelsächsischen Kultur durchaus zugewandt. Filme gibt es ausschließlich mit Untertiteln - sowohl im Fernsehen als auch im Kino, was zu den guten Englischkenntnissen der Schweden beiträgt (da ja doch die meisten Filme aus USA kommen, allerdings habe ich hier im Fernsehen auch schon deutsche Filme gesehen).

Anscheinend gibt es aber trotzdem nur wenige Ängste, was die eigenen Sprache betrifft - jedenfalls habe ich noch keine solche Diskussion mitbekommen. Befürchtungen wie im Deutschen, dass alle bald nur noch Denglisch sprechen, sind mir bisher nicht begegnet.

Das mag auch an der Nonchalance liegen, mit der das Schwedische Wörter aus anderen Sprachen "einschwedischt". Besonders schön sieht man das am Französischen. Wenn ich an die Diskussion zurückdenke, wie man (im Deutschen) Portemonnaie nach der Rechtschreibreform schreiben sollte (Portmonee) und die Befürchtungen über den kulturellen Niedergang, der damit drohe, finde ich es um so netter, wie gelassen die schwedische Sprache damit umgeht.

Hier eine Auswahl schwedischer Wörter und man darf raten, welche entsprechenden französischen dahinter stehen (ist nicht wirklich schwer...)

  • Restaurang     - ok, zu leicht? Dann etwas anspruchsvoller (nicht vergessen: å = o):
  • Fåtöjl              - na, erraten? 
  • Talang             - gibt's auch als Fernsehsendung (Sverige har ...)
  • Toalett             - wieder etwas einfacher, ebenso wie...
  • Trottoar           - und...
  • Paralply           - vielleicht wieder etwas schwieriger?
  • Byrå                - und jetzt mal Richtung Theater:
  • Aktör               - und nochmal Theater, aber schwieriger:
  • Pjäs                  - jetzt was, das sich das Deutsche aus dem Englischen geholt hat: 
  • Evenemang      - und noch was leichtes zum Schluss:
  • Salong
Falls tatsächlich eine Auflösung nötig sein sollte, schreibt mir was in die Kommentare unten hinein.

Ein paar schwäbische Wörter habe ich auch noch entdeckt, zB fängelse (= Gefängnis. Ich glaube, das ist direkt dem Schwäbischen entnommen: s' Schdammheim-fängelse, oder?). Die anderen fallen mir gerade nicht ein. Ein andermal. 
Bis bald!


Samstag, 1. März 2014

SFI - Svenska för invandrare - 01.03.2014

Jetzt muss ich endlich mal über meinen Schwedisch-Kurs schreiben, den ich seit Anfang Januar täglich von 8 Uhr bis 13 Uhr besuche. Jeder Einwanderer hat in Schweden das Recht, einen solchen Kurs zu besuchen. Je nach Lebenssituation und Ausbildung gibt es Intensivkurse wie meinen oder weniger intensive Kurse, die dann nur ein oder zwei Mal die Woche stattfinden.

In dieser Schule ("Folkuniversitetet" genannt) treffen sich nun Schülerinnen und Schülern aus tatsächlich allen Ecken und Enden der Welt. Dabei sind die Gründe, warum jemand nach Schweden gekommen ist, durchaus unterschiedlich. Es gibt politische Flüchtlinge, die persönlich verfolgt wurden, es gibt Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Irak und es gibt welche, die einen Schweden oder eine Schwedin geheiratet haben oder heiraten wollen und deswegen den Kurs besuchen. 
In meinem ersten Kurs hatten wir daher zwei Syrer, drei Palästinenser (die meist in Syrien gelebt hatten und daher aus Syrien geflüchtet sind), zwei Afghanen, eine Irakerin, die jedoch lange in den USA gelebt hat und zwei Iraner, einen US-Amerikaner, einen Brasilianer, einen Engländer, zwei Polinnen, eine Chinesin, eine Russin, eine Malaiin, einen Äthiopier, eine Italienerin, einen Filippiner, eine Montenegrinerin und mich. Jeder sollte eine Präsentation über sein Heimatland machen, daher weiß ich so genau, wo jeder herkommt. Diese Präsentationen waren wirklich hochinteressant, über die Sprachen, traditionelle Kleidung, Essen, Kulturschätze... Politik wurde weitgehend draußen gelassen (auch weil dafür unser Schwedisch noch nicht ganz ausreicht). Aber der US-Amerikaner - ein total netter, cooler Kalifornier, der mit einer Schwedin zusammen ist - meinte zu mir, er wäre ja hier nun der "bad guy", da die USA ja einigen Heimatländern Krieg führen oder geführt haben. Ich meinte nur: "Wem sagst Du das - ich komme aus Deutschland..."

Von links stehend: Polen, Afghanistan, Syrien, Italien, Äthiopien, Irak, Palästina, Afghanistan, Palästina (hinten), USA (vorne), Afghanistan, Deutschland, Russland, Großbritannien, Brasilien, ??, Iran, Afghanistan, China.
Von links sitzend: Philippinen, Afghanistan, Syrien, Polen 


Anfang Februar habe ich dann auf Anraten meiner Lehrerin den Sprachtest mitgeschrieben, bestanden und konnte nun in den nächsthöheren Kurs wechseln (und habe dadurch übrigens ein echtes Zeugnis bekommen - auf Schwedisch!). Hier gibt es noch zwei Thailänderinnen, eine Jamaikanerin, eine Nigerianerin, einen Peruaner. Mit einem Kameruner unterhalte ich mich regelmäßig auf Französisch (was nicht so leicht ist, wenn man gerade zwei Stunden Schwedisch gelernt hat, dann sich auf Englisch unterhalten hat, was die meisten doch besser beherrschen und dann plötzlich noch Französisch dazukommt - ich krieg noch nen Knoten ins Hirn!)

Diese Woche haben einige in einer Präsentation u.a. über ihre Berufe berichtet. z.B. ein Pathologe (das sind NICHT die Gerichtsmediziner! Pathologen untersuchen Gewebeproben auf z.B. Krebs) aus Homs in Syrien, oder ein (junger) Archäologe, ebenfalls aus Syrien. Ein Palästinenser hat in Palästina Projekte für die WHO gemacht, ein junger (ich glaube) Afghane macht gerade eine Ausbildung für CNC-Maschinen. Ich habe allerdings nicht über meinen Beruf berichtet, sondern über den Vasaloppet, da ich das alles ja schon hier in meinem Blog aufgeschrieben hatte und so die Präsentation relativ schnell erstellen konnte. :-)

Natürlich treffen hier auch die unterschiedlichsten Mentalitäten aufeinander, allein schon, weil die Altersstruktur ziemlich gemischt ist. Von 22 bis 66 ist alles vertreten. Und ich stelle fest, dass ich erstens auf jeden Fall Vorurteile habe - Frauen mit Kopftuch, die nichts sagen, "arabische" Männer, die grundsätzlich laut und undiszipliniert sind, generell alle "Südländer", die immer früher gehen oder zu spät oder gar nicht kommen. Zweitens stelle ich fest, dass man sich gerade in dieser Schule alle seine Vorurteile ganz leicht selbst bestätigen kann. Drittens allerdings halten sie einer genauen Prüfung nicht stand: Den besten Kurztest in meiner neuen Klasse hatte ein Syrer geschrieben, der weder laut noch undiszipliniert ist. Das Zu-spät-oder-gar-nicht-kommen hat damit zu tun, dass manche parallel eine Ausbildung machen oder arbeiten und daher nur zwei oder drei Tage die Woche kommen können. Außerdem habe ich mich dabei ertappt, dass ich dachte, unsere Kalifornier hat eine "coole Einstellung", wenn er nur gelegentlich auftauchte, bei den Afghanen hatte ich aber einen "na klar, typisch, keine Disziplin"-Gedanken - für das gleiche Verhalten... Eine Syrerin macht gleichzeitig noch einen Englischkurs und muss daher immer eine Stunde früher gehen. Ein kopftuchtragendes junges Mädchen lässt sich weder auf Englisch, Schwedisch noch auf Persisch irgendetwas von irgendwem sagen und bietet immer schnell und schlagfertig Paroli. Der große, gut aussehende Palästinenser und seine ebenso gut aussehende Schwester (ohne Kopftuch) sind unglaublich schüchtern und sagen fast nie etwas. Die immer leicht arrogant und gelangweilt dreinblickende Jamaikanerin ist eigentlich total nett. Und so weiter, und so weiter. 

Jedenfalls finde ich es unglaublich bereichernd, diesen Kurs besuchen zu dürfen. Es ist anstrengend, es ist schwierig, man muss sich selbst im Zaum halten und darf nicht jeden Spruch machen - aber man lernt so viel Neues, nicht nur die Sprache! Fantastisch!

Und im übrigen zur "deutschen" Disziplin: Ich komme immer dann fast eine dreiviertel Stunde zu spät, wenn Chris auf Dienstreise ist und ich daher die Kinder in die Schule bringen muss; das war zuletzt gar nicht so selten. Und letzten Dienstag bin ich früher gegangen, um mit anderen deutschen Müttern von der Schule meiner Kinder noch nen Kaffee zu trinken....